Darmstädter Echo
Objekte zum Leben 
Offenes Atelier

GERNSHEIM. "Skulpturen, Objekte und Möbel, die von Hand gearbeitet werden, erhalten eine Seele." Was Kunsthandwerker Hermann Freymadl einmal eher plakativ formulierte, ist ernst gemeint: Seele bedeutet für ihn Authentizität, weil das Objekt ein Stück von dem Menschen innehat, der es schuf, der "Hand angelegt" hat. Dazu gehören in nicht unbeträchtlichem Maße gestalterische Fähigkeiten, Fingerspitzengefühl für den Werkstoff und ein Gespür für Proportionen und Maßstäblichkeit sowie handwerkliche Souveränität. Wenn die "Seele" dazu eingehüllt wird durch die Harmonie der Form, hat sie einen Körper erhalten, in dem sie "lebt".
Zum Tag des offenen Ateliers im Kultursommer Südhessen zeigte der Steinmetzmeister und Bildhauer Objekte und Gebrauchsskulpturen aus Stein, denen er Seele eingehaucht hat. Produkte, für die es einen Markt gibt (CD-Rack, Garderobe, Schmucktisch), waren unter dem Titel "Steinobjekte zum Leben" ebenso zu sehen wie die Hommage seinen Lieblingsurlaubsplatz im Schwarzwald: Zur stilisierten großen Tanne aus rotem Sandstein gesellt sich eine Tannegruppe, die Ruhe und Beschaulichkeit in geduldigem Material darstellt.
"Unbewegter unter Bewegten" heißt der Würfel aus gelbem Sandstein im Skulpturengarten. Um ihn herum sind drei Rotationsformen aus rotem Mainsandstein gruppiert. Sie entstehen. wenn der eingespannte Würfel behandelt wird. Als Spiel mit Groß und Klein zeigt sich "Big Tee", die zwei Meter hoch gewordene Abschlaghilfe beim Golfen. Der fünfwürfelige Würfel ergibt bei der Draufsicht wieder den Mutterquader.

Hermann Freymadl, der Gratwanderer zwischen freier und angewandter Kunst, ist nicht verlegen, wenn es darum geht, seine Profession zu beschreiben: "Wir machen Dinge, die schön sind, die aus den besten Materialien bestehen, die ewig halten und
 



garantiert nicht billig sind, doch billig auf die Wertigkeit bezogen." Das kann man sich auf der Zunge zergehen lassen, in seine gemeinten Einzelteile zerlegen. Wichtig vor allem: "Was ich mache, kommt von innen."


Weitere Aussteller zu Gast

Seine Gedanken drückt Heinz Jordan (Gernsheim) in Öl auf Leinwand aus. Am Wochenende dominierte unter seinen gezeigten Werken "Guernica heute". Einer tiefschwarzen Unterwelt mit Picasso-Fragmenten entzieht sich mühevoll eine weiße Taube, strebt nach oben, den Sumpf hinter sich lassend. "Es ist die Hoffnung auf Frieden", kommentiert der Maler sein Bild, auf dem auch die Daten der Terrorangriffe seit New York zu entnehmen sind.

Weitere Arbeiten zeigen den fetten Bonzen, ein kleines Kirchlein inmitten unbarmherzig hoher Hochhäuser ("Kontraste") oder auch "Rose" und "Efeu-Blatt".
Mit dem Eschborner Graphiker Peter Schmidt ist ein weiterer Aussteller zu Gast. Die lebensfrohen Gestaltungen in Siebdruck und mit Buntstiften bringen schwarz-weiße Realität und farbige Comics zueinander:

Nick Knatterton verfolgt einen Porsche, Obelix steht einem Sumo-Ringer gegenüber,  Asterix gibt sich mit Prinz Charles ab. Batman und Bobbies treten gemeinsam an.
Wer Lust hatte, konnte mit den drei Ausstellern bei Zäpfle-Bier vom Hochschwarzwald reden, sich dies und jenes erläutern lassen. "Ohne Kunst wäre die Welt ärmer", meinte Freymadl dabei, der die "heilende Wirkung" erkennt, "Kunst ruft immer Reaktionen hervor." bg